Viele von Entmännlichung bedrohte und von ihrer unterdrückten Libido verfolgten Männer haben herausgefunden, dass die Harley-Davidson ein mächtiges sexuelles Symbol ist, das ihrer verlorenen Männlichkeit ähnlich neuen Auftrieb verleiht wie Gleitschirmfliegen, Höhlenklettern, Wildwasser-Kajak-Fahren, Fallschirmspringen, Snowboarden und Rennfahren. Da die biologische Rolle des modernen Mannes als sexuelles Raubtier und als Nahrungssammler schwindet oder verweiblicht wird, wird er bisweilen aufsässig, obszön und risikobereit, um seine Identität wieder herzustellen. Und so holt der Broker aus Fairfield County Sonntagvormittags nach einerausreichenden Lektüre von Sunday Times und anderen Presseorganen seine Harley aus dem Stall (vielleicht ist er auch Mitglied des exklusiven Greenwich Riding Club - für Motorräder, nicht für Pferde!) und rattert mal eben rüber zum Biker-Treff Marcus Dairy; oder er zieht sein Bike im Hänger bis zum Ritz-Carlton auf Amelia Island, wo er dann wie Superman in seinen Lederdress schlüpft und mit der Harley auf der Bike Week vorfährt. Dort angekommen, spuckt er in der Öffentlichkeit aus und kratzt sich ungeniert am Sack, spielt angeberisch am Gasgriff, kippt Bier und erzählt entsetzlich sexistische Witze. Hier verbünden sich halbstarke Kerle, die das vollständige Gegenteil der ewig betroffenen Lamentierer, die am Lagerfeuer ihre Lebensbeichte ablegen, sind, was unter karrieregestressten Männern zu Beginn der neunziger Jahre kurz in Mode war.

back