Alle Teilnehmer wirken sexuell provozierend und enorm potent, besonders auf diejenigen, die sich in der Mode und am Arbeitsplatz mit einer zunehmend androgynen Gesellschaft konfrontiert sehen. Die Verkleidung, egal ob nun Leder oder Lackschuh, verzerrt ja nicht nur die Identität des Trägers, sondern verstärkt schlagartig seine oder ihre Sexualität, die im alltäglichen Leben verdrängt oder gar total unterdrückt ist. Und als Kernstück der Biker-Kostümierung ist die Harley-Davidson über die harmlose Rolle einer »Freiheit-durch-Wind-im-Gesicht-Maschine« hinausgewachsen und zu einem sexuellen Totem des 20. Jahrhunderts geworden. Die sexuelle Potenz, die sie verkörpert, geht über das beliebte Klischee von der Verlängerung des Penis zwischen den Schenkeln des Mannes hinaus. Die Kraft des Motors und das rhythmische Donnern des Auspuffs können An-lass zu allerlei populär-psychologischen Deutungen geben, doch hier nur so viel: An Orten wie Daytona Beach und Sturgis wird Sexualität - pure, lüsterne, ordinäre Sexualität - unverhüllt zur Schau getragen. Öffentliche Vorstellungen bestärken die clan-orientierte, lebenslustige Szene und diese ist quirlig, provokativ und - vorwiegend - vehement heterosexuell.

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