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Dennoch bleibt die Harley-Davidson auch nach annähernd einhundert
Jahren Lebenszyklus eine ehrliche Maschine,
wenn auch in einem gänzlich anderen Zusammenhang, als sich die
vier Gründer das ursprünglich erträumt hatten.
Im Grunde ist sie einfach, ungehobelt und unprätentiös. Sie
ist offen und unkompliziert wie das Land, das sie herstellt und als
seine Maschine akzeptiert hat. Mit ihrem unzeitgemäßen Motor,
der einem die Zahnfüllungen lockern kann, und ihrer überproportionalen
Masse ist sie im Vergleich zu den besten unter den japanischen Bikes
ein technologischer Witz.
Geschwindigkeit ist als Beurteilungskriterium für eine Harley
ungefähr genauso aussagekräftig wie die genaue Farbmenge auf
einem Rembrandt-Gemälde oder Michael Jordans Schuhgröße.
Eine Harley-Davidson ist weit mehr als ihre Mechanik und ihre Leistung
- sie wird auf unerklärliche Weise zu einem organischen Teil des
Lebens ihres Besitzers.
Dieses Gefühl vermittelt keine andere Maschine. Selbst der fanatischste
BMW-Enthusiast (der seinem Motorrad in gewisser Weise genauso viel Hingabe
entgegenbringt wie ein Harley-Besitzer) oder ein Porsche- oder Ferrari-Narr
sieht in seinem Gefährt nicht mehr als ein Wunderwerk der Technik,
das alle möglichen liebevollen Aufmerksamkeiten verdient. Aber
ein lebendiges, atmendes Geschöpf? Niemals. Nach der Auffassung
vieler Harley-Besitzer lebt und atmet diese Maschine jedoch und arbeitet
mit der gleichen herablassenden Würde wie das Pferd eines Cowboys.
Meist ist sie treu und fügsam, doch plötzlich kann es ihr
einfallen, zu bocken oder einen gar regelrecht im Stich zu lassen. Sie
ist ein Freund, dem Respekt gebührt.
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