Doch das Herzstück der Harley-Philosophie ist für Männer und Frauen das Outlaw-Image. Was Auftritt und Verhalten angeht, beherrschen weiterhin die Angels und die mit ihnen rivalierenden Clubs die Szene. Sie sind es, die die Moden, die Einstellung und das Auftreten in der Öffentlichkeit bestimmen.
Leder und Denim, Tätowierungen (falsche wie echte), Bandanas und Bärte bzw. Schnurrbärte sind für alle ein absolutes Muss. Die Colors - das aufgestickte Clubsymbol und geheiligte Erkennungszeichen des wahren Outlaw, um derentwillen es schon oft Kämpfe mit tödlichem Ausgang gegeben hat - sind inzwischen von den farblosen Wochenend-Bikern übernommen worden, die in einer hilflosen Geste den wahrhaftig Auserwählten nacheifern. Doch ungeachtet der Tatsache, dass mittlerweile alle möglichen Harley-Davidson-Fangruppierungen imitierte Colors benutzen, sind sie unter den Outlaws mächtige, aussagekräftige Symbole geblieben. Überall in den USA findet man an Bars, Striplokalen, Harley-Vertretungen, Custom-Shops, Zubehörläden und ähnlichen Einrichtungen Schilder mit der Aufschrift No Colors. Dieses Verbot will unschöne Kämpfe zwischen Mitgliedern rivalisierender Clubs ausschließen, falls diese auf neutralem Boden aufeinandertreffen und in Auseinandersetzungen um Frauen, Alkohol und Harleys geraten. So schreibt es die seit den frühen fünfziger Jahren bestehende, stahlharte und todernste Tradition der Chapter vor. Die Outlaw-Clubs pflegen rigide Vorschriften und Moralvorstellungen in Bezug auf Gruppenloyalität und Lebensstil und sie sind auch von einem gewissen Exhibitionismus geprägt: Sie wollen Durchschnittsbürger schockieren und in Rage versetzen. Alle Harley-Davidson-Fahrer haben einen Hang zur Show, ja, zur Angeberei. Sie legen eine überzogene Kraftmeierei und Wichtigtuerei an den Tag, die vielleicht irgendwie in der Maschine selbst steckt. Ein Harley-Fahrer, sei er nun ein Pagan-Mitglied, ein Gospel Rider oder ein in Biker-Montur geschlüpfter RUB, wird zum Selbstdarsteller, sobald er den Tank zwischen den Knien hat. Dieses Gefühl der eigenen Wichtigkeit verdankt er sicher nicht zuletzt dem gewaltigen Donnern seines Auspuffs. Dieses rhythmische Dröhnen ist ein so wichtiger Bestandteil des Harley-Mythos, dass der Hersteller Mitte der neunziger Jahre beantragt hat, es als Warenzeichen schützen zu lassen.

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